Sierra Leone: Junge Frauen und alte Rituale

Feste Rollenbilder und alte Traditionen verhindern bei Mädchen und Frauen die gleichberechtigte Teilhabe am Leben. Ein Trauerritual diskriminiert Witwen und verhindert zudem gesellschaftliche Entwicklung.

Das ist Isatu.
Das ist Isatu.

Isatu (24) schaut traurig in die Zukunft. Die junge Frau ist Witwe. Ihr Mann erkrankte vor einigen Wochen. Im Krankenhaus konnte ihm aus Mangel an Untersuchungsgeräten und Medikamenten nicht geholfen werden. Teure Kräuterheilmethoden schlugen nicht an. Kurz darauf verstarb er. Nun muss Isatu allein für sich und ihre drei Kinder sorgen. Zusätzlich zum Verlust ihres Mannes erlegt ein Ritual ihr auf, 130 Tage zu trauern und während dieser in ihrer Gemeinde zu verbleiben.

Sterben ist Teil des Lebens

In einem Land, in dem sich jeder Zweite keine ärztliche Behandlung leisten kann, sterben täglich Ehemänner und Ehefrauen. Männern wird keine Trauerpflicht auferlegt. Frauen müssen jedoch vier Monate und zehn Tage nach dem Tod ihres Mannes trauern. In dieser Zeit dürfen sie weder arbeiten noch außerhalb des eigenen Quartiers einkaufen gehen. Damit stellt die Familie des Verstorbenen sicher, dass ein später geborenes Kind, im Falle einer Schwangerschaft, ehelich gezeugt wurde.

Eine Frau verliert mit ihrem Mann auch ihre Rechte

In Sierra Leone lebt die Mehrheit der Menschen von dem, was auf ihrem Feld wächst und dem, was sie auf dem Markt verkaufen. Das Geld wird direkt in Lebensmittel umgesetzt. Tag für Tag. Eine Witwe wird durch das Ritual doppelt bestraft. Sie muss von nun an allein für ihre Kinder sorgen und kann gleichzeitig nichts verdienen.

Isatus Kinder.
Isatus Kinder.

Weihnachten beweinen

In Sierra Leone ist es an den Festtagen üblich, traditionelle Gerichte mit Nachbarn und Freunden zu teilen. Jeder kocht und bäckt und macht sich damit gegenseitig eine Freude. Isatus Vorräte reichen kaum für sie und ihre Kinder. Dieses Jahr zu Weihnachten wird sie mit leeren Händen dastehen. Das beschämt sie zusätzlich zu ihrer Trauer.

ora Kinderhilfe im Einsatz für Frauen

ora Kinderhilfe setzt sich in 3 Miles für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Dazu gehören auch Schulungen für Frauen, in denen die gegenseitige Solidarität gestärkt wird. So konnten wir auch Isatu in dieser Zeit mit Nahrungsmitteln, Bargeld und Kleidung für ihre Kinder beistehen und vor Verarmung schützen.

Lassen sie Frauen wie Isatu auch zur Weihnachtszeit nicht allein. Spenden sie für Frauen mit ähnlichen Schicksalen in Sierra Leone!

©  2021 by ora Kinderhilfe international e. V.

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