Kenia - Mein Ziel für drei Monate

Lisa H. war als Volontärin in einem ora-Projekt. Hier berichtet sie selbst von ihren Eindrücken.

"Afrika. Da wollte ich schon immer mal hin. Auch wenn ich diesen Kontinent bis vor kurzem nur durch Dokumentationen kannte, haben mich die Lebensweise, Kultur und die Menschen dort schon immer fasziniert.
Über ora Kinderhilfe bin ich dann auf ein Waisenhaus in Kenia aufmerksam geworden. Nach einigen Monaten der Vorbereitungszeit und einem intensiven Briefing durch die Mitarbeitenden der ora Kinderhilfe, war es soweit: Ich reiste nach Kenia, um als Volontärin im Waisenhaus mit angegliedertem Internat als Volontärin mitzuarbeiten. Das Land traf mich mitten ins Herz.

 

Intensive Eindrücke


Wir haben zuweilen ein Bild von Afrika im Kopf und wissen nicht, wie die Realität ist. Und die Realität hat tatsächlich sehr viele Facetten: Zuerst einmal das Klima. Es ist schwül, manchmal fast unerträglich, aber man gewöhnt sich daran. Die Straßen sind staubig und die Schlaglöcher gehören irgendwie dazu. Kleine Wege sind meist ungeteert und holprig zu befahren. Fortbewegt habe ich mich entweder zu Fuß oder mit Motorbikes, die als schnelle Taxifahrten benutzt wurden. Auch wenn es sicherheitsmäßig vielleicht nicht der beste Transport war; ich habe es geliebt, das Freiheitsgefühl, schnell von A nach B zu kommen und preiswert war es auch.

Mitarbeit im Waisenhaus und im Internat


Das Schöne an „Chafisi“ ist, dass die Schule mit einem Waisenhaus zusammengelegt ist, jedoch Waisen sowie Kinder aus der Umgebung zusammen unterrichtet werden. Für die Kinder, die auf dem Gelände während der Schulzeit wohnen, gibt es ein Gebäude. Getrennt für Jungen und Mädchen. Es wohnen etwa 100 Kinder dort, nicht alles Waisen. Manche haben auch Familie, die weiter weg wohnt und die sie nur in den Ferien sehen können.
Die Schule umfasst acht Klassenstufen sowie zwei „Kindergarten-Klassen“. Jede Klasse hat im Schnitt 27 Schüler. Es ist eine private Schule, an öffentlichen Schulen kann eine Klasse aus ca. 100 Schülern bestehen, was das Leistungsniveau natürlich deutlich geringer hält. Ich war für die erste Klasse eingeteilt, durfte selbst unterrichten und die Prüfungsvorbereitungen mit den Schülern machen. Da ich zu Ende des Schuljahres dort war, standen die Abschlussprüfungen bevor. Alle Fächer werden auf Englisch unterrichtet. Es ist nach Kiswahili die zweite Landessprache. So war die Verständigung gut möglich, auch mit den kleineren Kindern.

Ich habe mich in den Räumlichkeiten wohl gefühlt, auch wenn diese sehr einfach gehalten sind. Es gibt keine Türen und die Fenster haben kein Glas, sodass immer ein leichter Luftzug durch die Räume geht. Das gesamte Gelände ist umzäunt, so dass die Kinder geschützt sind. Es ist recht weitläufig, so dass auch Spielaktivitäten wie Fußball oder andere Sportarten gut ausgeführt werden können.
Was ich als besonders schön empfunden habe, war der gemeinsame „Musikunterricht“. Bei diesem wurden mehrere Klassen zusammengenommen und es wurden gemeinsam viele Lieder gesungen; natürlich mit viel Rhythmus, laut, lebendig und voller Lebensenergie. Die Kinder sind sehr musikalisch und der Rhythmus liegt ihnen tatsächlich im Blut. Es ist echt beeindruckend, wie teilweise vier- oder fünf-Jährige wahnsinnig gut tanzen können. Die Leichtigkeit und Lebensfreude der Kinder ist ansteckend und echt schön, das habe ich ganz besonders genossen.
Ein anderes persönliches Highlight für mich war der „Germanclub“, den wir mit 15 Kindern aus verschiedenen Klassen gegründet hatten. Er fand zweimal die Woche statt und wir hatten absolute Freiheit, wie wir den Unterricht gestalten wollten. So unterrichteten wir einige Deutschgrundlagen und übten zusammen an einfachen Smalltalk-Gesprächen. Für den letzten Schultag übten wir gemeinsam ein deutsches Lied ein, das wir dann vor der Schulgemeinschaft aufführten. Es hat viel Spaß gemacht und die Schüler waren sehr motiviert und wissensdurstig.

Nichts hilft besser als eine ora-Patenschaft


Was mir aufgefallen ist, dass manche Kinder ganz zerrissene und kaputte Schuluniformen anhatten und andere relativ neue und gepflegte. Also ich nachfragte, kam heraus, dass manche Kinder unterstützt wurden durch Patenschaften und andere nicht. Da habe ich dann selber angefangen mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und habe beschlossen, in Deutschland eine Patenschaft zu übernehmen, um etwas weitergeben zu können, von dem was ich habe.


Danke ora Kinderhilfe


Insgesamt kann ich von dem ganzen Aufenthalt sagen, dass ich sehr herausgefordert war, auch viel nachgedacht habe und unendlich dankbar bin, dass ich diese Möglichkeit hatte. Es hat mein Herz geöffnet und mich sensibler für andere Menschen gemacht, denen es nicht so gut geht. Klar wusste vorher schon, dass Armut in Kenia ganz anders ist als in Deutschland, aber etwas wissen oder es erleben ist ein signifikanter Unterschied. Ich würde es jedem empfehlen, der mal einen anderen Blickwinkel auf Dinge werfen möchte und offen für eine andere Kultur ist."
 
Lisa H., 25 Jahre alt aus Süddeutschland

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