Jede 4. Frau erlebt häusliche Gewalt 

Noch mehr sind es in Osteuropa. ora Kinderhilfe international e.V. setzt sich in Rumänien für die Opfer ein.

 

Berlin, 22. November 2018: Geschlagen, bedroht, bedrängt, verleumdet, unter Druck gesetzt – die Methoden der physischen und psychischen häuslichen Gewalt sind so vielfältig wie die Frauen, die sie erleiden müssen. Jede vierte Frau hat mindestens einmal im Leben Gewalt in einer Partnerschaft erlebt.
 

 

 

Häusliche Gewalt an Frauen - in Osteuropa leider alltäglich

 

Wenn die sicheren vier Wände nicht mehr sicher sind, davon können auch die Frauen in Osteuropa berichten. Wurden in Deutschland in 2017 knapp 140.000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet, so steht zu vermuten, dass die Quote in Osteuropa mindestens doppelt so hoch ist. Jedes Jahr findet am 25. November derInternationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. An dem welt- und auch europaweiten Problem ändert sich dadurch wenig. Im letzten Jahr hat das russische Parlament verfügt, dass seine Frau zu verprügeln, keine Straftat mehr ist. Das Gesetz sieht vor, dass bei erstmaliger Anwendung von Gewalt nur mehr eine Geldstrafe verhängt wird. Auch sonst sind die Gesetze in dieser Richtung sehr lax.

 

Traumatisiert durch Gewalterfahrungen

 

Doch das Problem beginnt viel früher: In Gesellschaften, in denen Beziehungsfragen als rein private Angelegenheiten gelten, wird häusliche Gewalt nicht zur Anzeige gebracht. Selbst innerhalb der eigenen Familie werden sie oft verschwiegen. Das Thema wird tabuisiert und ist bei vielen Opfern schambesetzt; Angst vor Gerede, Angst um die Kinder, Angst vor erneuten Übergriffen und Angst vor Armut verhindern, dass sie sich Hilfe suchen. Sie fordern ihre Rechte oft nicht ein, weil sie nicht einmal wissen, dass sie welche haben. Jahrelang sprechen sie oft mit niemandem über die erlebte Gewalt.

 

 

Wie ora Kinderhilfe vor Ort unterstützt 

 

ora Kinderhilfe international e.V. setzt sich mit einem Mutter-Kind-Heim in Rumänien für die Rechte der Opfer ein. „Physisch und psychisch verwundet kommen die Frauen mit ihren Kindern oft bei uns an“, berichtet Jochen Hackstein, Vorstand der ora Kinderhilfe. „Sie wurden von ihren Ehemännern verprügelt, oft auch sexuell misshandelt. Viele der Opfer haben ein jahrelanges Martyrium erlitten.“ Aufgewachsen in gewalttätigen Beziehungen wissen sie nicht, dass Gewalt keine Normalität darstellt. Von klein auf kennen sie gewalttätige Väter, Onkel oder Nachbarn. „Der Alkohol verstärkt das Problem zusätzlich“, erklärt Hackstein. „Arbeitslosigkeit, Armut, Sorgen und Nöte werden im Schnaps ertränkt. Es entsteht eine Spirale aus Trinken, Geldnot und Gewalt. Betroffen sind die Frauen, aber auch die Kinder.“

 

Frauen Mut schenken

 

Für schuldig werden die Opfer befunden. Die Täter kommen meist straffrei davon. Dagegen setzt sich ora Kinderhilfe zur Wehr: „Wir arbeiten eng mit den staatlichen Stellen zusammen, beraten die Frauen über ihre Rechte und bringen Straftaten zur Anzeige. Gewalt ist kein Spaß.“ Im Mutter-Kind-Heim im siebenbürgischen Gheorgheni sind die Frauen sicher. Sie bekommen Zeit, ihre Wunden verheilen zu lassen, sie erhalten psychologische Hilfe, Sozialberatung und Hilfe bei der Suche nach einer Arbeitsstelle. „Das Wichtigste für uns ist, den Frauen ihr Selbstbewusstsein wieder zu geben und ihnen Mut zu machen, auf eigenen Beinen zu stehen. Wer selbst stehen kann, lässt sich auch nicht mehr alles gefallen.“

©  2018 by ora Kinderhilfe international e. V.